OST - ROCK - DDR Hits

 

 

 

Ja, es hat sie gegeben - eine eigenständige Rockmusik aus der DDR!

 

Die Rockzentren im eigenen Land waren Leipzig, Dresden und Berlin,

 

wie auch die vielen kleinen Dorfsäle und Klubhäuser

 

Vor allem im Süden der DDR

 

in denen Wochenende für Wochenende die Post abging.

 

Wer mit dieser Musik aufgewachsen ist,

 

kann sie bis heute nicht vergessen.

 

Nach 1990 mehrfach tot gesagt, ist sie heute lebendiger denn je.

 

 

 

Die Reise zurück ist also immer auch eine Reise nach vorn!

 

 

 

 

 

 

Beatmusik

 

 

 

Vor dem Aufkommen von Beatmusik in der DDR gab es eine Zeit

 

des vorsichtigen Auslotens der Möglichkeiten,

 

eine halbwegs modern,

 

aber nicht zu westlich klingende Tanzmusik zu etablieren.

 

 

 

In den frühen 1960er-Jahren entstanden in der DDR

 

eine Reihe von Instrumentalmusik-Schallplatten mit tanzbarer,

 

aber im Vergleich zur westlichen weniger „wilden“ Musik.

 

 

 

Dass es sich um Instrumentalmusik handelt, liegt daran,

 

dass Musik in englischer Sprache von der

 

DDR-Kulturbürokratie abgelehnt wurde,

 

die deutsche Sprache aber den meisten Musikern

 

für diese Art von Musik als unpassend erschien.

 

 

 

Zu Beginn der 1960er Jahre existierten in der DDR

 

4.500 Amateurtanzkapellen, die auf Tanzabenden musizierten.

 

 

 

Ein großer Teil dieser „Kapellen“ beschäftigte sich mit

 

der neuen Musizierweise, der Beatmusik,

 

die auf die Jugend eine große Wirkung ausübte.

 

 

 

Die jungen Musiker bastelten Instrumente und Verstärker

 

und erzeugten somit einen neuen Klang.

 

 

 

Es wurden Titel der Beatles,

 

aber auch US-amerikanischer Gruppen nachgespielt.

 

 

 

Die Reaktion der Medien setzte 1964 und 1965 ein.

 

 

 

Es fand ein sogenanntes „Deutschlandtreffen der Musik“ statt.

 

 

 

Dort traten Beatgruppen auf wie die Sputniks,

 

die Butlers und das Diana Show Quartett.

 

 

 

Die Gründung des Rundfunkprogramms DT64 bewirkte eine veränderte

 

Musikprogrammgestaltung.

 

 

 

Die beiden Schallplatten Big Beat I und II wurden 1964 mit den Sputniks,

 

den Butlers und dem Franke Echo Quintett produziert.

 

Big Beat 1
Big Beat 2

 

 

Es handelte sich dabei um reine Instrumentalmusik,

 

 

die dem US-amerikanischen Surf ähnelte.

 

 

 

1965 gab es Produktionen mit dem Michael Fritzen Quartett

 

und der Theo Schumann Combo.

 

Big Beat 3

 

 

Nach den Krawallen im Anschluss an ein Konzert der Rolling Stones in

 

der West-Berliner Waldbühne im September 1965,

 

änderte die DDR-Führung ihre Haltung zur Beatbewegung,

 

die sie bis dahin toleriert hatte, grundlegend.

 

 

 

 

Rockmusik

 

 

 

Um 1970 wurde die Beatmusik rockiger.

 

So griffen einige Bands Stilelemente des

 

Progressive Rock oder des Jazzrock auf.

 

1970 wurden „Tage der offenen Tür“ durch den Rundfunk der DDR

 

durchgeführt, um talentierte Musiker aufzuspüren und zu fördern.

 

Ab 1971 gab es die „Rhythmus“-Initiative von Rundfunk,

 

Amiga und Fernsehen der DDR,

 

die ebenfalls dazu diente, Musiker der Öffentlichkeit vorzustellen.

 

In diesem Zusammenhang entstanden ab 1970 erste Wertungssendungen

 

im Rundfunk mit „Franks Beatkiste“, der „Radio DDR Tip-Parade“

 

und dem „DT64 Musikstudio“ (später „DT Metronom“).

 

 

 

Als erstes DDR-Rockmusikalbum im engeren Sinn

 

gilt die LP Das Gewitter der Uve Schikora Band,

 

das sowohl ausgedehnte Stücke in der Tradition von Progressive Rock

 

und Artrock als auch Schlager enthält.

 

Das Gewitter


 

Bands wie die Thomas Natschinski Band und Panta Rhei

 

konnten ebenso erste Alben veröffentlichen.

 

Panta Rhei

Weitere damals entstandene,

 

stilprägende Alben sind die Kompilationen hallo Nr. 1–12

 

und Rhythmus 71–78.

 

 

 

Für viele der später bekannten DDR-Rockbands waren dies die ersten

 

Schallplattenaufnahmen.

 

 

 

Nur wenige Bands bekamen damals die Möglichkeit,

 

LPs bzw. Singles unter ihrem Namen zu produzieren.

 

 

 

Als Alternative konnten Bands wie Electra-Combo,

 

Puhdys, Klaus-Renft-Combo, Scirocco, Lift, Wir,

 

Jürgen Kerth, Ekkehard Sander-Septett,

 

Bürkholz Formation und Modern Soul Band

 

Titel im Rundfunk produzieren.

 

Sander

 

 

Inspiriert wurden sie vor allem von westlichen Musikern,

 

aber auch von Bands aus Ländern wie den Volksrepubliken Polen

 

und Ungarn.

 

 

 

Auch beim Publikum waren Bands wie Omega (Ungarn) sowie Skalden

 

und Czes?aw Niemen (Polen) beliebt.

 

Omega

 

 

Bei Konzertauftritten gehörten meist auch nachgespielte Titel

 

von Künstlern aus dem Westen zum Programm.

 


Aufgrund der 60/40-Regel blieb aber der Anteil auf zwei Fünftel beschränkt.

 

 

 

Gelegentlich waren die Musiker durch Vorbilder aus dem Westen

 

so inspiriert, dass die Ähnlichkeit offenkundig war.

 

 

 

Die Puhdys orientierten sich zeitweise deutlich an Uriah Heep,

 

und die Ähnlichkeit ihrer Titel Wenn ein Mensch lebt

 

mit Spicks And Specks von den Bee Gees,

 

Geh' zu ihr mit Look wot you dun von Slade,

 

sowie Alt wie ein Baum mit '39 von Queen ist signifikant.

 

 

 

Ebenso erinnert das Streichorchester in Scherbenglas von der Gruppe Lift

 

deutlich an Eleanor Rigby von den Beatles.

 

Lift Rock aus Deutschland

 

 

Doch parallel dazu entwickelte die Rockmusik in der DDR ihre Eigenheiten.

 

 

 

Während im Westen nur wenige Musiker deutschsprachige Texte sangen,

 

entstand im Osten eine große Vielfalt von deutschsprachiger

 

Rock- und artverwandter Musik wie Soul, Blues und Jazz.

 

 

 

Viele Bands spielten „liedhaften Rock“. Die Liedtexte deckten

 

ein breites Spektrum von Themen ab.

 

 

 

Neben Songtexten über die Liebe gab es zahlreiche Lieder

 

über Lebensweisheiten (Ehrlich will ich bleiben).

 

 

Karussell - Entweder oder (1979) (Amiga 855 687)

 

 

Karussel

 

Entweder oder --Der Gitarrist - Autostop - Whisky - Mc Donald - Fenster zu - Tanzen

 

Ehrlich will ich bleiben - Ein langer Weg - Besinnung

 

 



 

 

 

Sagen und Legenden wurden thematisiert

 

(Ikarus, Hildebrand oder Die Bernsteinhexe),

 

geschichtliche Ereignisse aufgegriffen

 

(Der Kampf um den Südpol),

 

aber auch eher folkloristische Themen wurden

 

in Rocksongs umgesetzt (Heuernte).

 

Bernstein Hexe

 

 

Die Gruppe electra (die vormalige Electra-Combo) verwendete den Klang

 

von Kirchenorgeln in der Rockmusik,

 

während die Gruppe Bayon klassische Musik mit Elementen

 

kambodschanischer Musik verband.

 

 

 

Diese Vielfalt und Musikalität auf hohem Niveau wurde unter anderem

 

dadurch erreicht, dass die Musiker ein mehrjähriges Musikstudium

 

absolvieren mussten, um die Spielerlaubnis als Berufsmusiker

 

erhalten zu können.

 

 

 

So ist zu verstehen, dass so viele Bands die Fähigkeit besaßen,

 

klassische Elemente in ihre Musik einzubauen.

 

Ebenso wurden viele Texte von professionellen Textern verfasst.

 

 

 

Zu ihnen gehörten Kurt Demmler, Jens Gerlach, Ingeburg Branoner,

 

Gisela Steineckert, Burkhard Lasch und Heinz Kahlau.

 

 

 

Mit den Weltfestspielen 1973 wurden die staatlichen Beschränkungen

 

für die Rockmusik zeitweilig gelockert.

 

 

 

So entstanden engagierte Songs, die produziert wurden,

 

jedoch im Nachhinein der Zensur zum Opfer fielen.

 

 

 

Mitte der 1970er Jahre kam es zu vielen Bandauflösungen.

 

 

 

Dies hatte teils politische, teils künstlerische Ursachen.

 

 

 

Die Gruppe Renft (vormals Klaus-Renft-Combo) wurde 1975

 

aufgrund allzu rebellischer Songtexte verboten.

 

Klaus Renft Combo

 

 

In ihrer Ballade vom kleinen Otto wünscht sich die Titelfigur

 

eine Flucht in den Westen.

 

 

 

Mehrere beliebte Musiker wie Nina Hagen übersiedelten

 

in die Bundesrepublik Deutschland.

 

Nina Hagen

 

 

Aus Panta Rhei entstand Karat,

 

während die Panta-Rhei-Sängerin Veronika Fischer

 

nunmehr mit eigener Band auftrat.

 

 

 

Aus den Klosterbrüdern entwickelten sich – auch auf staatlichen Druck –

 

die Gruppen Magdeburg und Reform,

 

aus der Thomas Natschinski-Gruppe entstand Brot & Salz.

 

 

 

Die Bands waren einerseits in das von der Staatsmacht vorgegebene

 

System eingebunden, etwa durch die Maßgabe,

 

dass alle Songtexte genehmigt werden mussten.

 

 

 

Andererseits bildeten einige der Musiker,

 

oft langhaarig und mit rebellischer Attitüde,

 

einen Kontrast zum herrschenden System.

 

 

 

Auch gab es Fangruppen, die ihren Lieblingsbands nachreisten

 

und teilweise für Tumulte sorgten.

 

 

 

Weitere Bands wurden national bekannt: Stern-Combo Meißen, Berluc,

 

Transit, Prinzip, Sieghart Schubert-Formation, Kreis,

 

SET, Express, Karussell und College Formation.

 

 

 

Die Puhdys und – 1978 – Karat brachten ihre ersten LPs heraus

 

und wurden die populärsten Gruppen des Landes.

 

Amiga

 

 

Es gab die ersten Gastspielauftritte von DDR-Bands

 

im westlichen Ausland, beispielsweise von den Puhdys.

 


1977 bis 1979 kam es zur Gründung zahlreicher neuer Gruppen

 

und Auftritten weiterer Künstler wie 4 PS, City,

 

 

Neue Generation, Fritzens Dampferband, Gruppe Drei,

 

Peter und Paul, Eva Maria Pieckert und Familie Silly.

 

 

 

Zu Beginn der 1980er Jahre wurden Veröffentlichungen

 

der etablierten Künstler sowie neuer, aufstrebender Bands forciert.

 

 

 

So wurden von 1980 bis 1983 über 500 neue Titel produziert.

 

 

 

1980 kamen mit Neumis Rock Circus und Dialog

 

neue Stilrichtungen in das Musikangebot.

 

 

 

In diesem Zeitraum nahm die Verbreitung Pop-orientierter Titel zu.

 

 

 

Einige namhafte Bands wie electra blieben ihrem musikalischen Stil

 

in Form ausgereifter Werke noch treu

 

(1980: Die Sixtinische Madonna).

 

1980: Die Sixtinische Madonna

 

 

Ab 1981/82 spielten neu entstandene Bands wie

 

Petra Zieger & Smokings, Pankow, Keks, Primaner und Metropol

 

geradlinige Rockmusik mit ungeschnörkelten Texten.

 

 

 

Silly mit der Sängerin Tamara Danz wurde zur erfolgreichsten Band.

 

Silly mit der Sängerin Tamara Danz

 

 

Petra Zieger & Band veröffentlichten 1984 ihr erstes Album

 

und erhielten eine Goldene Schallplatte.

 

Petra Zieger & Band veröffentlichten 1984 ihr erstes Album

 

 

Weitere neue Bands ergänzten das Rockmusikangebot.

 

 

 

Rockhaus zeigte ab 1982 eine neue Art von Musik

 

und Bühnenpräsentation.

 

 

 

Formel I, Regenbogen, Babylon, Metall, MERLIN, Feuerstein,

 

Mephisto und Biest spielten Hard Rock.

 

 

 

Zahlreiche Bands begannen, ihren musikalischen Stil trendorientiert

 

deutlich zu verändern,

 

etwa durch Verwendung elektronischer Instrumente

 

und einer Abkehr von langen Rockstücken.

 

 

 

Einige Gruppen wurden durch die Neue Deutsche Welle inspiriert.

 

 

 

Die Puhdys, deren Album Computer-Karriere von Sprechgesang und

 

elektronischen Klängen geprägt ist,

 

kehrten später zu ihrem Rockstil zurück.

 

 

 

Die Stern-Combo Meißen hieß schon ab 1980 Stern Meißen.

 

 

 

Sie wandte sich 1984 vom Artrock ab,

 

änderte weitgehend ihre Besetzung

 

und spielte fortan für ein anderes Publikum.

 

 

 

Rock-Bilanz 1985

 

 

Rock-Bilanz 1985

 

 

(1985 - Amiga 8 56 160/1)

 

 

 

 

01. Perl - Zeit, die nie vergeht - 02. City - Schattenbild - 03. Jessica - Ich beobachte dich

 

 

 

04. Karat - Hab den Mond mit der Hand berührt - 05. Wir - Lass deine Engel los

 

 

06. Puhdys - Rock’n’Roll ist mein Begleiter - 07. Berluc - Tausend Hände

 

 

 

08. Modern Soul Band - Berliner Song - 09. Lucie - Träumerei m- 10. Kerschowski - Montagfrüh

11. Electra - Nie zuvor - 12. Silly - So 'ne kleine Frau - 13. Stern Meissen - Taufrisch

 

 

 

14. Condor - Komm zurück - 15. M. Jones Band - Vorstadt-Prinzessin

 

 

16. Possenspiel - Sommer, Sonne, Sonnenbrand - 17. Pankow - Isolde

 

 

18. Datzu - Haltet ihn - 19. Rockhaus - Parties - 20. Formel 1 - Der Weg nach oben



 

Besonders zu Anfang der 1990er-Jahre wurden

 

zahlreiche Amiga-Platten wieder neu als CDs herausgebracht,

 

außerdem entstanden viele Sampler wie beispielsweise

 

Rock aus Deutschland Ost (1991, 20 CDs)

 

oder Jugendliebe - Das waren unsere Hits (1993, 4 Doppel-CDs).

 

Ost Rock

 

 

Die Musik der DDR beeinflusste die Entwicklung

 

der deutschen Musikszenen nach der Wiedervereinigung

 

genauso wie die Musik der BRD.

 

 

 

Ein besonders prominentes Beispiel stellen Rammstein dar,

 

die erfolgreichste deutschsprachige Band außerhalb Deutschlands,

 

die selbst in Interview mehrfach geäußert haben,

 

dass sie ohne ihre DDR-Vergangenheit

 

nie ihren typischen Stil entwickelt hätten.

 

 

 

 

 

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